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Streichpreise in Shopware

Lesezeit:

Minuten

Bessere Conversion ohne rechtliche Bauchschmerzen

 

Streichpreise gehören zu den auffälligsten Preis-Elementen im Online-Shop: Durchgestrichener alter Preis, daneben der neue, reduzierte Preis und idealerweise die prozentuale Ersparnis. Richtig eingesetzt, steigern sie die wahrgenommene Attraktivität eines Angebots. Falsch eingesetzt, sind sie eine Einladung für Abmahnungen.

Shopware bietet dafür eine integrierte Unterstützung: Streichpreise können direkt am Produkt gepflegt und im Frontend automatisch dargestellt werden, sowohl in Kategorieübersichten als auch auf der Produktdetailseite.

Wie Sie Streichpreise im Backend pflegen

 

Die gute Nachricht vorweg: Für einfache Streichpreis-Szenarien muss in Shopware niemand in komplexe Preislogiken einsteigen. Im Standard genügt der Reiter Allgemein der Produktpflegemaske.

 

Wählen Sie im Shopware-Backend unter Kataloge → Produkte das passende Produkt aus. Im Reiter „Allgemein“ finden sich im Abschnitt „Preise“ Einstellungen für den aktuellen Preis und einen optionalen Streichpreis fest. Der Streichpreis ist der frühere Preis, der nicht mehr gilt und im Frontend durchgestrichen erscheint.

 

Rechtliche Rahmenbedingungen

30TageBestpreis-Regel

Neben der reinen Preistechnik müssen Sie bei Streichpreisen die EUOmnibusRichtlinie beachten. Diese schreibt vor, dass eine beworbene Preisreduktion auf dem niedrigsten Preis der letzten 30 Tage basieren muss.

 

In der Praxis heißt das, der angezeigte Streichpreis darf nicht ein frei gewählter „Wunschpreis“ sein, sondern muss den niedrigsten tatsächlichen Preis der letzten 30 Tage widerspiegeln. Die Regulierung zielt darauf ab, künstlich aufgeblasene „Vorher-Preise“ zu verhindern, die nie oder nur sehr kurz am Markt waren. Wenn Sie rechtlich auf der sicheren Seite sein wollen, sollten Sie die 30TageRegel konsequent einhalten und Ihre Preisverläufe sauber dokumentieren.

 

Was Shopware leider nicht mitbringt, ist eine automatische Auswertung der Preise der letzten 30 Tage. Das liegt daran, das Shopware keine Versionierung von Produktdaten hat und somit nicht auf alte datenstände zugreifen kann. Die entsprechende Information kommt sinnvollerweise aus dem ERP-System oder dem PIM.

 

Streichpreise im Zusammenspiel mit Staffelpreisen und kundenspezifischen Preisen

 

Je nach Setup können Sie Streichpreise auch mit erweiterten Preismodellen kombinieren:

·       Staffelpreise.
In der erweiterten Preisansicht definieren Sie Preise je Mengenstaffel (z.B. 1 Stück, 10 Stück, 50 Stück). Entsprechend können auch unterschiedliche Streichpreise je Staffel hinterlegt werden.

·       Kundenspezifische Preise.
Über den Reiter „Erweiterte Preise“ (nicht in allen Shopware-Plänen enthalten) lassen sich individuelle Preise pro Kunde hinterlegen, inklusive eigener List- und Streichpreise. So können Sie für AKunden andere Vorher-/Nachher-Preise anzeigen als für Standardkunden wichtig im B2B-Geschäft mit individuellen Konditionen.

·       Währungsabhängige Preise.
Streichpreise lassen sich in verschiedenen Währungen pflegen, was vor allem für internationale Shops relevant ist, die bei Aktionen kanal- oder länderspezifisch rabattieren.

 

Für den Start reicht die Pflege im Standardpreis-Widget völlig aus. Erweitere Preislogiken sollten Sie gezielt mit Ihrer Preisstrategie und ggf. Ihrer ERP-/PIM-Anbindung verzahnen.

 

Strategische Einsatzszenarien für Streichpreise

 

Als fachlich Verantwortlicher sollten Sie Streichpreise nicht isoliert betrachten, sondern als Teil Ihrer Pricing- und Promotions-Strategie:

·       Klar kommunizierte Preisaktionen.
Zeitlich befristete Aktionen („Sommer-Sale“, „Abverkauf“) lassen sich hervorragend über Streichpreise sichtbar machen – in Kombination mit Promotions, Rabatten und Kampagnen.

·       Hervorhebung gegenüber unveränderten Produkten.
In Kategorie-Listings springen reduzierte Produkte sofort ins Auge und können gezielt zur Lagerbereinigung oder zur Bewerbung bestimmter Marken genutzt werden.

·       Vermeidung von Rabattinflation.
Streichpreise sollten einen echten Unterschied markieren. Dauerhaft und flächig eingesetzte Streichpreise stumpfen Kunden ab und können die Glaubwürdigkeit Ihrer Preisstrategie untergraben.

·       B2BKontext.
Auch im B2B können Streichpreise sinnvoll sein, etwa für zeitlich begrenzte Projektpreise oder Sonderkontingente, wenn die Kommunikation klar ist und mit individuellen Konditionen abgestimmt wird.

 

Best Practices und Stolperfallen

 

Damit Streichpreise für Sie arbeiten – und nicht gegen Sie – sollten Sie einige Punkte beachten:

 

·       Reale Historie statt Fantasiepreise.
Der Streichpreis sollte immer ein tatsächlich verlangter Preis sein, idealerweise der niedrigste der letzten 30 Tage. Alles andere ist rechtlich riskant und untergräbt Vertrauen.

·       Saubere Datenbasis.
Stellen Sie sicher, dass Sie historische Preise nachvollziehen können – ob in Shopware selbst oder in angebundenen Systemen. Ohne Historie können Sie Streichpreise kaum revisionssicher begründen.

·       Konsistenz über Kanäle.
Prüfen Sie, ob die in Shopware gezeigten Streichpreise zu Preisangaben in Marktplätzen, POS oder Printkampagnen passen, um Widersprüche zu vermeiden.

·       Frontend-Design und Usability.
Achten Sie darauf, dass Streichpreise im gewählten Theme klar lesbar sind (Schriftgröße, Kontrast, Position) und die Ersparnis eindeutig verstanden wird. Erweiterungen können zusätzliche Darstellungsoptionen liefern.

·       Kombination mit weiteren Rabatten.
Definieren Sie klar, ob zusätzliche Gutscheine oder Promotions auf schon reduzierte Produkte angewendet werden dürfen, um ungewollt hohe Gesamtrabatte zu verhindern.

 

Handlungsempfehlungen für die Shopware-Praxis

 

Zusammengefasst gelten folgende Empfehlungen:

·       Setzen Sie Streichpreise bewusst ein, um echte Preisreduktionen sichtbar zu machen – nicht als Dauerzustand.

·       Achten Sie darauf, dass der Streichpreis den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage abbildet und dokumentieren Sie diese Historie.

·       Nutzen Sie die Standard-Preisfelder im Reiter „Allgemein“ für einfache Szenarien; greifen Sie nur bei Bedarf zu erweiterten Preis- und Staffelmodellen.

·       Prüfen Sie die Darstellung im Frontend (Listing, Detailseite, ggf. Erweiterungen), damit Rabatte klar und rechtssicher kommuniziert werden.

·       Verankern Sie Streichpreise in Ihrer übergeordneten Pricing- und Promotions-Strategie, statt sie isoliert auf Produktebene zu betrachten.

 

Richtig eingesetzt werden Streichpreise in Shopware zu einem wirksamen, aber dennoch seriösen Instrument, um Angebote hervorzuheben. Im Idealfall bieten sie mit Mehrwert für Conversion, Lagersteuerung und Kundenerwartung, ohne dass Sie unnötige rechtliche Risiken eingehen.

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