Gastbestellungen in Shopware
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Conversion-Booster mit klaren Spielregeln
Der Zwang ein Konto zu erstellen, ist ein häufiger Grund für Abbrüche im Checkout. Entschärft wird diese Klippe durch Gastbestellungen – diese sind ein Standardfeature in Shopware, das automatisch bei der Installation aktiviert wird.
Die Frage, ob Shopware Gastbestellungen beherrscht, stellt sich daher für E‑Commerce-Verantwortliche nicht. Interessanter ist die strategische Abwägung, wie Gastbestellungen so eingesetzt werden, dass Conversion, Datenschutz und betriebliche Anforderungen zusammenpassen.
Wo Sie in Shopware über Gastbestellungen entscheiden
Die zentralen Stellschrauben für Gastbestellungen und Kundenaccounts finden Sie in der Administrationsoberfläche unter Einstellungen → Shop → Anmeldung & Registrierung.
Dort steuern Sie pro Verkaufskanal, ob standardmäßig ein Kundenkonto angelegt werden soll oder eine Bestellung als Gast möglich ist (letzteres ist Standard in Shopware).
Aus fachlicher Sicht bedeutet das:
· Aktivierte Gastbestellungen senken die Einstiegshürde, insbesondere für Neukunden oder Einmalkäufe.
· Die Pflicht zum Kundenkonto kann sinnvoll sein, wenn Sie stark auf Kundenbindung, Self‑Service-Portale oder individuelle Konditionen setzen.
Welche Daten Sie bei Gastbestellungen wirklich brauchen
Im gleichen Bereich legen Sie fest, welche Felder im Checkout Pflicht sind. Typische Entscheidungen aus Business-Sicht sind:
· Muss die E‑Mail-Adresse zur Sicherheit doppelt eingegeben werden?
· Benötigen Sie zwingend eine Telefonnummer (z.B. für Speditionslieferungen)?
· Brauchen Sie das Geburtsdatum (Altersverifikation, rechtliche Anforderungen)?
Dabei sind die Interessen von Shopbetreiber und Kunde gegenläufig: Der Betreiber möchte möglichst viel über seine Kunden erfahren, der Kunde selbst ist aber scheu und gibt nur ungern Informationen preis, die aus seiner Sicht nicht benötigt werden. Als Faustregel gilt daher: so viele Pflichtfelder wie nötig und so wenige wie möglich.
Alle Daten, die nicht zwingend für die Erfüllung der Bestellung oder rechtliche Anforderungen gebraucht werden, sind kritisch zu hinterfragen und sollten allenfalls optional abgefragt werden.
Warum Double-Opt-in für Gastbestellungen sinnvoll ist
Aus Sicherheitsgründen ist die Option „Double-Opt-in für Gastbestellungen“ elementar. Ist die Option gesetzt, erhalten Gastkunden nach Absenden der Bestellung eine E‑Mail mit einem Bestätigungslink und erst nach erfolgter Bestätigung wird die Bestellung wirksam.
Aus fachlicher Sicht empfiehlt es sich, diese Option zu aktivieren, um Gastbestellungen abzusichern:
· Schutz vor Missbrauch (Bestellung auf fremde Namen/Adressen werden verhindert)
· Klarere Rechtslage im Streitfall („habe ich nie bestellt“)
· Stärkeres Vertrauen, weil der Prozess transparent und nachvollziehbar ist
Natürlich verlängert Double‑Opt‑in den Checkout-Prozess um einen Schritt und kann seinerseits zu Abbrüchen führen. Das ist ein bewusster Trade-off zwischen Conversion und Rechtssicherheit, den man in Kenntnis der Risiken auch so gewichten kann, dass man Gastbestellungen ohne Bestätigungen entgegennimmt.
Datenhaltung: Wie lange bleiben Gast-Accounts erhalten?
Im Shopware-Backend findet sich eine Einstellung mit der Bezeichnung „Zeit, nach der Gast-Kunden-Accounts ablaufen“. Hier sind als Standardwert 86.400 Sekunden gesetzt, das entspricht 24 Stunden.
Automatisch gelöscht werden jedoch nur Gast-Accounts ohne Bestellung, das geht aus der Bezeichnung im Backend nicht eindeutig hervor. Für Gastkonten mit Bestellungen gelten dieselben steuerlichen Nachweispflichten wie für registrierte Kunden und die Kundendaten müssen auch für Gewährleistung und Service zugreifbar sein.
So erhalten Sie eine saubere Balance zwischen Datensparsamkeit (keine Karteileichen ohne Bestellungen) und gesetzlichen Aufbewahrungspflichten.
Checkout-Erlebnis: Wie Ihre Kunden den Unterschied wahrnehmen
Im Checkout zeigt Shopware klar die Wahlmöglichkeit „Kundenkonto anlegen: ja/nein“ – der Kunde entscheidet selbst, ob er oder sie ein Konto erstellt. Bei „nein“ wird im Hintergrund zwar trotzdem ein Benutzer erstellt, um etwaige Bestellungen zuordnen zu können, aber kein loginfähiges Konto angelegt.
Kommunizieren Sie klar, welchen Mehrwert ein Kundenkonto bietet (z.B. Bestellhistorie, Rechnungsdownload, schnellere Nachbestellung). Aber drängen Sie Neukunden nicht zur Kontoerstellung gleich beim ersten Kauf. Besser fahren Sie damit, nach erfolgreicher Gastbestellung einen sanften Wechsel anzubieten („Jetzt Konto aus Bestellung anlegen“).
Wann Gastbestellungen strategisch sinnvoll sind – und wann nicht
Typische Einsatzszenarien für Gastbestellungen sind:
· B2C-Shops mit vielen Erstkunden oder Kampagnen-Traffic
· Sortimente mit hohem Anteil an Einmalkäufen
· Märkte, in denen Vertrauen erst über den ersten Kauf aufgebaut wird
Umgekehrt gibt es auch einige Szenarien, in denen ein Kundenkonto Pflicht sein kann:
· B2B-Shops mit individuellen Preisen, Rollen und Freigabeprozessen
· Portale mit starkem Self‑Service-Anteil (Service-Historie, Tickets, Downloads)
· Business-Modelle mit wiederkehrenden Bestellungen und komplexen Konditionen
Entscheidend ist, dass Sie die Gastbestellung nicht isoliert betrachten, sondern in Ihre Gesamtstrategie für Kundenbindung, CRM und Marketing Automation einordnen.
Empfehlungen für E‑Commerce-Verantwortliche
Auf Basis der Standardfunktionen von Shopware und typischer Praxisszenarien lassen sich folgende Leitplanken empfehlen:
· Erlauben Sie Gastbestellungen grundsätzlich, um den Einstieg zu erleichtern – gerade für Neukunden.
· Lassen Sie Double‑Opt‑in für Gastbestellungen aktiv, um Missbrauch vorzubeugen und rechtlich abgesichert zu sein.
· Halten Sie Formularschritte und Pflichtfelder schlank, vor allem auf mobilen Endgeräten.
· Nutzen Sie die automatische Löschung von Gastkonten ohne Bestellung, um Datenbestände sauber zu halten.
· Arbeiten Sie den Mehrwert eines Kundenkontos klar heraus und bieten Sie den Spurwechsel nach erfolgreicher Gastbestellung aktiv, aber nicht aufdringlich, an.
Mit diesen Empfehlungen setzen Sie Gastbestellungen in Shopware nicht nur technisch korrekt, sondern auch strategisch sinnvoll ein – als Baustein für mehr Erstbestellungen, ohne die langfristige Kundenbeziehung aus den Augen zu verlieren.
