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Bitkom: Der Mangel an Geld und Zeit bremst Digitalisierung aus.

13. Juni 2018

Florierende Geschäfte und volle Auslastung – zugleich mangelnde Zeit und fehlendes Geld: Bei der Digitalisierung kommen deutsche Unternehmen, nach Einschätzung des Branchenverbandes Bitkom, nur langsam voran.
In einer repräsentativen Umfrage im Vorfeld der Cebit in Hannover (11. bis 15. Juni) gaben 32 Prozent der befragten Manager an, die größte Hürde sei fehlende Zeit im Tagesgeschäft. Unzureichende Finanzmittel beklagten 21 Prozent. Im Vorjahr waren es 18 beziehungsweise 14 Prozent.

Bitkom-Präsident Achim Berg appelliert an die Unternehmen, eine Digitalstrategie zu entwickeln, Investitionsmittel bereitzustellen und Zukunftstechnologien einzusetzen. Das Geschäft von morgen sei ausschließlich digital, es müsse jetzt in der wirtschaftlichen Hochkonjunktur vorbereitet werden. „Digitalisierung ist kein Naturereignis, sondern eine Gestaltungsaufgabe.“ Er verwies auf die große Bedeutung für viele deutsche Branchen – vom Autobau bis zur Logistik, von der Medizintechnik bis zum Finanzwesen. Dort sei die deutsche Wirtschaft weltweit führend, diese gute Ausgangsposition müsse genutzt werden.

Grundsätzlich sei in den Betrieben eine große Offenheit gegenüber der Digitalisierung zu verzeichnen, so die Bitkom-Ergebnisse: 89 Prozent der befragten Manager sehen sie als Chance, nur acht Prozent als Risiko. Gaben 2017 noch 68 Prozent an, in einzelnen Bereichen oder im gesamten Unternehmen einer Digitalstrategie zu folgen, so sind es in diesem Jahr 78 Prozent. Das führt zu schnelleren Anpassungen an veränderte Marktbedingungen: So bietet fast jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) neue Produkte und Dienstleistungen als Reaktion auf den digitalen Wandel an. 63 Prozent (2017: 62 Prozent) passen bestehende Produkte und Dienstleistungen an. 37 Prozent (2017: 31 Prozent) nehmen als Folge der Digitalisierung Produkte vom Markt. An Bedeutung gewinnen digitale Plattformen. Zwei Drittel (64 Prozent) aller befragten Firmen nutzen diese auf die eine oder andere Weise.

Großen Nachholbedarf sieht Bitkom-Präsident Berg bei kleinen und mittleren Unternehmen. Je kleiner die Firma, desto mehr tun sich die Entscheidungsträger mit der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle schwer. Nicht einmal ein Viertel aller Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern will dieses Jahr gezielt in diesem Bereich investieren (23 Prozent). Noch weniger sind es bei kleinen Betrieben mit 20 bis 99 Mitarbeitern (19 Prozent). Bei den größeren Unternehmen sind es mehr als die Hälfte (57 Prozent). Berg: „Wir müssen die Anstrengungen des deutschen Mittelstands unbedingt verstärken.“

Dies scheint notwendig zu sein. Nur noch 25 Prozent der Unternehmen sehen Deutschland bei der Digitalisierung weltweit in der Spitzengruppe. Vor einem Jahr waren es noch 36 Prozent. Umgekehrt sagen 24 Prozent der Befragten, dass ihr Unternehmen durch diese Entwicklungen in seiner Existenz gefährdet sei.
33 Prozent haben Probleme, den digitalen Wandel zu bewältigen.

Für die Studie befragte Bitkom Research Geschäftsführer und Vorstände von 604 Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten in Deutschland. Die Ergebnisse sind laut Bitkom repräsentativ für die Gesamtwirtschaft.

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